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Die Behandlung von Abhängigkeitserkrankungen erfolgt in vier Phasen.
Kontaktphase: Der Patient meldet sich selbst oder fällt in Ambulanz, Praxis oder Beratungsstelle auf. Jetzt muss der Abhängige dazu motiviert werden, wirklich eine Therapie zu beginnen, um von seiner Sucht loszukommen. Am Ende dieser Phase wird entschieden, ob eine Entgiftung sinnvoll ist.
Entgiftungsphase (Entziehung): Eine Entgiftung ist immer dann notwendig, wenn mit dem Auftreten von beträchtlichen Entzugserscheinungen und deren Komplikationen gerechnet werden muss. Bei schweren Entzugssyndromen und der Gefahr von Deliren (eine bestimmte Form der Bewusstseinstrübung verbunden mit Erregung, Sinnestäuschung und Wahn) ist eine stationäre Behandlung im psychiatrischen oder internistischen Krankenhaus unumgänglich. Bei den meisten Drogen ist es möglich, sie sofort und plötzlich abzusetzen und eine komplette körperliche Abstinenz zu erreichen, z.B. bei Alkohol.

Depressive Zustände, innere Unruhe und Schlafstörungen können mit nicht süchtigmachenden Medikamenten (Antidepressiva, Neuroleptika) behandelt werden. Die Entgiftungsphase dauert ungefähr drei bis sechs Wochen. In dieser Zeit besteht erhöhte Suizidgefahr.
Entwöhnungsphase: Die Entwöhnungsbehandlung kann im stationären Rahmen, in speziellen Suchtkliniken erfolgen, sie kann jedoch auch ambulant durchgeführt werden. Beide Behandlungsformen haben ihre spezifischen Vor- und Nachteile. Dieser wichtigste Teil der Therapie sollte direkt nach der Entgiftung einsetzen. Im Vordergrund der Behandlung steht hier die Bearbeitung der psychischen Abhängigkeit. Der Betroffene lernt, ohne Drogen zu leben und sich selbst und die Realität kritisch zu beurteilen. Der Patient muss Verantwortung für sein Tun übernehmen und die oft vorhandene Kluft zwischen eigenem Anspruch und tatsächlichen Fähigkeiten überwinden. In vier bis sechs Monaten sollte durch eine Zusammenarbeit von Ärzten, Psychologen, Pflegepersonal und Sozialarbeitern dem Patienten eine neue Lebensperspektive gegeben werden. Zum Abschluss der Entwöhnungsphase muss die Wohn- und Arbeitssituation des Betroffenen geklärt sein. Wichtig ist auch die Beantwortung der Frage, welches soziale Umfeld den Patienten erwartet und wie die Freizeitgestaltung aussehen soll.
Nachsorgephase: Betreuung durch einen niedergelassenen Arzt oder Psychotherapeuten, Selbsthilfegruppen, therapeutische Wohngemeinschaften. Mit Hilfe der Nachsorgemaßnahmen soll der in der Entwöhnungsphase erreichte Zustand stabilisiert und das Erlernte in den Alltag von Arbeit, Familie und Freizeit umgesetzt werden. Die Nachsorgephase ist insbesondere hinsichtlich dem Vorbeugen und Bewältigen von Rückfällen wichtig. Besondere Bedeutung haben hier Gruppen wie die Anonymen Alkoholiker, in denen Betroffene sich untereinander helfen. Die Solidarität der Gruppengemeinschaft kann im lebenslangen Kampf gegen die Sucht helfen, auch schwierige Phasen zu überwinden. Für Abhängige von illegalen Drogen gibt es Lebensgemeinschaften, die neben betreuten Wohngemeinschaften auch Arbeitsmöglichkeiten bieten.
© Elsevier 2007
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