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Nachzulesen in: M. Gerlach: Stimulanzien-Therapie: Gefahr für Kinder und Jugendliche? Neurotransmitter 2002; 7-8: 69-74.
Eine Stimulanzientherapie von Kindern und Jugendlichen mit ADHS (Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörung) wird in den vergangenen Jahren zunehmend häufig durchgeführt. In den Medien werden der Nutzen sowie die Risiken einer solchen Therapie allerdings kontrovers diskutiert. Prof. Manfred Gerlach gab in der Fachzeitschrift Neurotransmitter kürzlich einen Überblick über aktuelle experimentelle und klinische Befunde zu diesem Thema.
Die Wirksamkeit von Medikamenten wie Ritalin®, Medikinet® oder Equasym® wurde in zahlreichen Studien belegt. Die Behandlung scheint gut verträglich und bislang wurden bei sachgerechter Anwendung keine schwerwiegenden Nebenwirkungen berichtet. Das Wirkprinzip einer Therapie mit diesen Psychostimulanzien ist jedoch nur ansatzweise bekannt. Wahrscheinlich sind Psychostimulanzien indirekt wirkende Dopamin- und Noradrenalin-Agonisten. Da diese Therapie bei den ADHS-Patienten nicht antriebssteigernd, sondern beruhigend wirkt, wird vermutet, dass Stimulanzien wie Methylphenidat eine abnorme Gehirnfunktion normalisieren.
Lauern unbekannte Gefahren?
 Tierexperimentellen Untersuchungen zufolge scheint jedoch nicht ausgeschlossen, dass diese Stimulanzien auch bei sachgerechter Anwendung eine Abhängigkeit auslösen können. Darüber hinaus wird derzeit aufgrund von Untersuchungen an Ratten spekuliert, dass Methylphenidat die Ausreifung des dopaminergen Systems stören könnte. Dementsprechend wird diskutiert, ob diese Therapie möglicherweise das Risiko erhöht, in den späteren Jahren an einem Parkinson-Syndrom zu erkranken.
 Doch wie Gerlach ausführt, sind diese Mutmaßungen den bisherigen Befunden zufolge nicht gerechtfertigt. Seiner Überzeugung nach kann man ausschließen, dass Methylphenidat zu einer Abhängigkeit führt. So belegen verschiedene sorgfältig durchgeführte Studien, dass eine Therapie mit Methylphenidat die Gefahr eines späteren Substanzmissbrauchs bei Kindern mit ADHS eher vermindert. Die Übertragbarkeit der tierexperimentellen Befunde hält Gerlach für sehr fragwürdig und seiner Ansicht nach rechtfertigen diese Ergebnisse keinesfalls Spekulationen über eventuelle Spätfolgen. Zudem wird Methylphenidat mittlerweile seit mehr als 60 Jahren in der Therapie des ADHS eingesetzt und bislang wurde in der Literatur kein einziger Fall eines Methylphenidat-induzierten Parkinson-Syndroms beschrieben.
© Schattauer GmbH, Verlag für Medizin und Naturwissenschaften
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