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Eine Ausstellung im Deutschen Hygiene-Museum widmet sicheiner der umstrittensten Ideen der Neuzeit: der Evolutionstheorie.
Wohl keine wissenschaftliche Theorie hat das menschliche Selbstverständnis derart erschüttert wie die Evolutionstheorie Charles Darwins. Wie heißt es doch in Friedrich Nietzsches "Zarathrustra": "Ihr habt den Weg vom Wurme zum Menschen gemacht, und vieles ist in euch noch Wurm."
Heute, im Zeitalter der Gentechnik, wissen wir, wie recht Darwin und Nietzsche hatten: Mit dem Fadenwurm Caenorhabditis elegans teilt der Mensch nicht nur 40 Prozent seiner Gene, sondern ist auch in anderer Hinsicht vergleichbar: So gibt es etwa Gene, die bei uns Menschen auf noch unbekannte Weise für die Alzheimersche Krankheit veranlagen. Auch im Wurmgenom sind diese Gene voll funktionstüchtig; allerdings werden sie dort benötigt, um das Legen der Eier zu steuern. Und genau diese Aufgabe erfüllen die menschlichen Gene, wenn man sie in den Wurm überträgt...
Darwins Hauptwerk "Über den Ursprung der Arten" (1859) stellte die biblische Schöpfungslehre grundlegend in Frage und revolutionierte die Grundlagen der westlichen Gedankenwelt. Heute, fast 150 Jahre nach seinem Hauptwerk, ist Darwins Evolutionstheorie so umstritten und aktuell wie eh und je. Mit der Erschaffung von Designer-Babys, dem Klonen von Embryonen und der Übertragung von Genen über Artgrenzen hinweg werden die Grenzen traditioneller Evolution und Züchtung weit überschritten. Angesichts der fast unabsehbaren Entwicklungen in den Biowissenschaften erscheint es angebracht, einmal innezuhalten und die evolutionäre Natur des Menschen erneut unter die Lupe zu nehmen. Genau dies versucht die aktuelle Ausstellung im Deutschen Hygiene-Museum in Dresden zu leisten. Welche Antworten kann die Evolutionsforschung heute auf die elementaren Fragen nach dem Wesen des Menschen geben: Wer sind wir? Woher kommen wir? Wohin gehen wir?
In der Dresdener Ausstellung kann der Besucher diesen Geheimnissen des Lebens anhand moderner und historischer Objekte, interaktiver Modelle, Multimedia- und Klanginstallationen nachspüren. Anrührende Illustrationen veranschaulichen die unterschiedlichen religiösen Vorstellungen von der Entstehung des Menschen. Anatomische und künstlerische Objekte sowie paläoanthropologische Funde lassen die rätselhaften Schritte auf dem Wege zum menschlichen Körper und Verhalten wissenschaftlich nachvollziehen. Im Dunkeln leuchtende Zebrafische, die von einer Gentechnikfirma produziert und vertrieben werden, stehen für die Machbarkeit, aber auch Fragwürdigkeit angewandter Evolution. Noch nie ging die globale Ausbreitung von Krankheitserregern und Epidemien so schnell und so einfach vonstatten, wie etwa ein Simulationsmodell des interkontinentalen Flugnetzes in der Ausstellung demonstriert. So sensibilisiert die Schau für die ungeheure Wandelbarkeit, aber auch Gefährdung des Lebens. Indem sie mehr Fragen aufwirft als dogmatisch zu belehren, präsentiert sie die Evolutionsbiologie als Wissenschaft zwischen Wahrheit und Debatte.
Ausstellung: "Evolution. Wege des Lebens" - bis zum 23. Juli 2006 im Deutschen Hygiene-Museum in Dresden. Infos: [URL]www.dhmd.de[/URL]
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