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Die Sammlung Prinzhorn wächst

Die Sammlung Prinzhorn wächst

Die Sammlung wächst Gewöhnlich verbindet man mit der Sammlung Prinzhorn den weltweit einzigartigen Bestand an Werken, die Patienten und Patientinnen psychiatrischer Anstalten um die Wende zum 20. Jahrhundert schufen.

Die Werke wurden von Hans Prinzhorn, Arzt und Kunsthistoriker, von 1919 bis 1921 zusammengetragen. Die Sammlung umfasst rund 5000 Werke, mehrheitlich Bleistift- oder Farbstiftzeichnungen sowie Malereien mit Wasserfarben oder Öl, Textilien und Holzskulpturen. 435 Patienten/Künstler, darunter 80 Frauen, sind in der Sammlung vertreten. Sie waren überwiegend in Anstalten Deutschlands, der Schweiz und Österreichs hospitalisiert, meist mit der Diagnose "Schizophrenie".

Viele fragen, ob die Sammlung Prinzhorn auch weiterhin sammelt. Die derzeitige Präsentation mit dem programmatischen Titel "Die Sammlung wächst" gibt die Antwort. Die neu hinzugekommenen Arbeiten werden noch bis zum 9. September in der Psychiatrischen Universitätsklinik Heidelberg gezeigt. Schon in den 1980er Jahren, als man die Sammlung mit großem Aufwand vor Verfall und Vergessen rettete, wurde sie erweitert. Dabei handelt es sich um viele, oft kostbare Werke, die das Werk von Künstlern der Sammlung ergänzen, aufgestöbert in Krankenakten bei biografischen Recherchen in deutschen Klinikarchiven. Sensationell war 1986 der Fund von 18 Holzskulpturen Karl Genzels auf Bibliotheksregalen der Anstalt Eickelborn.

Auch in neuerer Zeit ist neben wenigen Ausnahmen - zwölf Blätter von Margarete Held oder einer Grafikmappe von HAP Grieshaber - kein Geld für Ankäufe vorhanden. Die wichtigsten Neuzugänge sind großzügige Schenkungen und Dauerleihgaben. Dazu zählen Kostbarkeiten wie zwei großformatige Schwarzweiß-Zeichnungen Adolf Wölflis und Blätter von Elfriede Lohse-Wächtler. Viel Raum nehmen neuerdings "Stapelkünstler" ein, vor denen private Sammler schnell kapitulieren. Seit den fünfziger Jahren verschrieb sich Friedrich Boss, schwäbischer Gartenbauinspektor, einer Gedächtnisarbeit, wickelte seine Notizen in Päckchen, verschnürte und versiegelte sie - ohne einen Empfänger zu benennen. Harald Bender sammelte seit den neunziger Jahren Alltagsdinge, füllte Aktenordner mit Blättern, auf die er mathematische, naturwissenschaftliche und physikalische Graphismen notierte. Fleiß und Systematik der scientific community stellen sie uns vor Augen. So hält sich Bender eine als übermächtig Welt in Ordnern vom Leibe. Vanda Viera-Schmidt türmt als heimliche Friedensaktivistin seit zehn Jahren ihre Blätter auf, jedes versehen mit magischen Zeichen und Mustern gegen das Böse in der Welt. Entziffern kann sie ein PC im Verteidigungsministerium, zur Lösung akuter militärischer Konflikte?

(c) MedCon Health Content AG


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