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Medikamentenumstellung

Was sollte man über den Wechsel von einem Neuroleptikum auf ein anderes wissen?

Warum?

Ein Wechsel wird im Regelfall dann vom Arzt vorgeschlagen bzw. vom Patienten gewünscht, wenn mangelnde Wirksamkeit oder vorhandene Nebenwirkungen des Medikamentes dies sinnvoll oder notwendig machen. Letzteres ist eher bei älteren sogenannten typischen Neuroleptika der Fall. Weitere Gründe für einen Wechsel können die mögliche Erhöhung der Lebensqualität oder die Vermeidung möglicher späterer Folgewirkungen der Medikamenteneinnahme (z.B. Spätdyskinesien) sein.

Wie?

Bei vorhandener ärztlicher Überwachung in der Praxis oder im Krankenhaus kann eine Umstellung rasch erfolgen. Der behandelnde Arzt weiß, welche Tagesdosis z.B. des typischen Neuroleptikums dem nach dem Wechsel z.B. eingesetzten Atypikum entspricht und kann die Umstellung innerhalb kurzer Zeit durchführen.

Wann?

Der Wechsel wird am besten in einer symptomfreien oder zumindest symptomarmen Zeit, z.B. nach Abklingen der akuten Symptomatik stattfinden. Manchmal ist er aber auch in der Akutphase der Erkrankung notwendig, wenn ein Medikament z.B. keine ausreichende Wirkung zeigt oder es zu unliebsamen Nebenwirkungen kommt.

Bei erstmaliger Erkrankung an einer schizophrenen Psychose sollten heute von vornherein Atypika eingesetzt werden, da sie den Standards moderner Therapie entsprechen und weniger Nebenwirkungen zeigen.

Sollte die Erkrankung mit so starken Symptomen beginnen, dass wegen der rascheren Wirkung intravenös injizierbare typische Neuroleptika eingesetzt werden mußten, kann trotzdem sofort mit der gleichzeitigen Einstellung auf ein oral einzunehmendes Atypikum begonnen werden.

Was ist noch zu beachten?

Die Abstimmung der geeigneten Dosis muss über eine längere Zeit in engem Kontakt zum behandelnden Arzt geschehen. Er trifft seine Entscheidungen über etwaige Dosisänderungen nach dem Zustand des Patienten bzw. nach Eintritt oder Ausbleiben des Therapieerfolges.

Auch nach dem Wechsel sind bei manchen Atypika bestimmte regelmäßige Kontrollen des Blutbildes und der Leberfunktion notwendig. Zudem sollte eine eventuelle Gewichtszunahme überwacht werden.

Die Pflicht zur regelmäßigen Einnahme des Neuroleptikums besteht auch nach dem Rückgang der akuten Symptomatik, um einen Rückfall möglichst zu vermeiden. Der durch das Fehlen kognitiver Beeinträchtigungen unter Atypika häufig wesentlich bessere Allgemeinzustand bedeutet nicht, dass die Grunderkrankung nunmehr an Bedeutung verloren hat und die Behandlung vernachlässigt werden könnte. So ist ein regelmäßiger Arztbesuch und die korrekte Medikamenteneinnahme auch zur Prophylaxe und die Teilnahme an psychosozialen Maßnahmen dringend anzuraten.

Spricht etwas dagegen?

Der zu erwartende Gewinn an Lebensqualität und Freiheitsgraden durch den Wechsel von einem klassischen zu einem atypischen Neuroleptikum ist häufig sehr gravierend. Darüber hinaus ist das Risiko unliebsamer Nebenwirkungen klassischer Neuroleptika, wie z.B. Früh- oder Spätdyskeniesien, sehr viel geringer.

© Dr. med. Rainer A. Richter, Nervenarzt, Leipzig, 2002


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