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Medikamentengruppen

Neuroleptika

Unter dem Begriff Neuroleptika (auch Antipsychotika) werden Medikamente zusammengefasst, die zur Behandlung von Psychosen eingesetzt werden. Die ersten eingesetzten Neuroleptika zeigten zwar eine gute antipsychotische Wirkung, daneben wurde bei vielen Patienten allerdings auch ein Einfluss auf das extrapyramidal-motorische System im ZNS beobachtet, der sich in der Ausbildung eines Parkinson-Erkrankung ähnlichen Zustandsbilds zeigte. Die Fähigkeit einer Substanz, eine extrapyramidal-motorische Symptomatik auszulösen, wurde als eine unabdingbare, "typische" Eigenschaft neuroleptisch wirksamer Pharmaka angesehen. Durch die Weiterentwicklung der Neuroleptika konnte diese Hypothese allerdings revidiert werden, da Substanzen mit guter antipsychotischer Wirkung, aber ohne oder mit geringerem Einfluss auf das extrapyramidal-motorische System entwickelt werden konnten. Diese, als atypische Neuroleptika bezeichneten Substanzen besitzen darüber hinaus eine Eigenschaft, die den typischen Neuroleptika fast vollständig fehlt: die Wirkung auf sog. Negativ- bzw. Minussymptome. Dies sind Symptome wie Antriebsmangel, sozialer Rückzug, Sprachverarmung, etc.

Wirkweise

Der Wirkungsmechanismus von Neuroleptika beruht auf einem Eingreifen in die synaptische Erregungsübertragung innerhalb des Gehirns.

Neuroleptika wirken symptomatisch, das heißt, sie können psychische Krankheiten nicht im eigentlichen Sinne heilen, aber Symptome wie Halluzinationen oder Wahn können damit zumeist beseitigt werden. Dies ermöglicht dem Patienten eine Distanzierung von der Erkrankung - er kann also seinen Zustand selbst als krankhaft erkennen.

Teilweise haben Neuroleptika neben der antipsychotischen auch eine sedierende (beruhigende) Wirkung. Zumindest für die herkömmlichen Neuroleptika gilt dabei: je geringer die neuroleptische Potenz, desto stärker ist die Sedierung.

Es gibt schwach wirksame Neuroleptika (z.B. Levomepromazin, Pipamperon), die stark beruhigend und dämpfend sowie gering antipsychotisch wirken. Sie dämpfen Erregungszustände und fördern den Nachtschlaf und werden deshalb vor allem bei Erregungs-, Angst- und Spannungszuständen, Manie sowie bei Schlafstörungen verordnet. Unerwünschte Wirkungen sind v.a. starke Müdigkeit, die die Arbeitsfähigkeit einschränkt, und Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit, Schwitzen und Obstipation. Bewegungsstörungen hingegen sind sehr selten.

Stark wirksame Neuroleptika (z.B. Haloperidol, Fluspirilen) machen weniger müde und wirken außerdem leicht antriebshemmend. Sie werden vor allem bei Schizophrenien, Wahn und Halluzinationen (z.B. während des Alkoholentzuges) eingesetzt.

Das Nebenwirkungsprofil typischer und atypischer Neuroleptika ist sehr unterschiedlich. Als Nebenwirkungen der typischen Neuroleptika treten hauptsächlich extrapyramidal-motorische Symptome auf. Das sind Bewegungsstörungen, die vom Zentralnervensystem ausgehen:

  • Zu Beginn der Therapie, bei plötzlichen Dosissteigerungen und bei abruptem Absetzen der Neuroleptika können sogenannte Frühdyskinesien auftreten, u.a. mit schmerzhaften Zungen-, Schlund- und Blickkrämpfen (Dyskinesien sind spontan auftretende, unwillkürliche Bewegungen).
  • Spätdyskinesien, die erst nach länger dauernder Neuroleptikatherapie entstehen und sich meistens als Saug-, Schmatz- und Zungenbewegungen äußern, sind weniger häufig. Bei der Hälfte aller Patienten bilden sich diese Spätdyskinesien auch nach Absetzen der Neuroleptika nicht zurück.
  • Bei der Akathisie (Bewegungsunruhe) haben die Betroffenen einen so starken Bewegungsdrang, dass sie nicht ruhig sitzen bleiben können, sondern auf der Stelle trippeln oder ständig herumgehen müssen.

Seltene, aber lebensgefährliche Nebenwirkungen sind:

  • Das maligne neuroleptische Syndrom mit Fieber, Muskelsteifigkeit und Bewegungsstarre, Bewusstseinsstörungen, starkem Schwitzen und beschleunigter Atmung (unter Umständen lebensbedrohlich). Es kommt v.a. bei jungen Männern vor.
  • Störungen in der Bildung der weißen Blutkörperchen (Agranulozytosen).

Unter einer Behandlung mit Neuroleptika kann es nach ein bis zwei Wochen zu einem medikamentösen Parkinson-Syndrom (Parkinsonoid) kommen mit Bewegungsarmut (Akinese), erhöhter Muskelspannung (Rigor) und Zittern (Tremor). Die Patienten wirken steif, gehen mit kleinen Schritten und zeigen kaum Mimik. Durch Reduzierung der Dosis kann eine Besserung des Parkinson-Syndroms erreicht werden. Nach Absetzen des Medikamentes bildet sich das Parkinsonoid vollständig zurück.

Die häufigsten Nebenwirkungen bei Einnahme von Atypika sind Müdigkeit, Beeinträchtigung der Orientierungsfähigkeit und der Konzentration sowie Gewichtszunahme, Diabetes und Dyslipidämie. Nur selten kommt es bei der Therapie mit Atypika zu Muskelverkrampfungen im Bereich der Augen, des Mundes oder des Halses.

Neuroleptika dürfen unter anderem nicht oder nur unter größter Vorsicht eingenommen werden bei Blutbildveränderungen, Hirnerkrankungen, akuten Vergiftungen, bestimmten Herzerkrankungen sowie bei Leber- und Nierenschäden.

Beachten Sie bitte, dass es bei einer Einnahme von Neuroleptika zu einer Beeinträchtigung des Reaktionsvermögens kommen kann. Die Fahrtüchtigkeit kann eingeschränkt sein und es kann je nach Tätigkeit zu einer Gefährdung am Arbeitsplatz (z.B. beim Bedienen von Maschinen) kommen.

Neuroleptika dürfen nicht zusammen mit Alkohol eingenommen werden, da dies zu einer gefährlichen Wirkungsverstärkung führen kann. Tee, Kaffee und andere koffeinhaltige Getränke können die Wirkung von Neuroleptika verringern.

Neuroleptika machen nicht abhängig.

Wirkstoffe, typische Neuroleptika:

Benperidol

Bromperidol

Chlorprothixen

Flupentixol

Fluphenazin

Fluspirilen

Haloperidol

Levomepromazin

Melperon

Perazin

Perphenazin

Pipamperon

Promethazin

Sulpirid

Thioridazin

Wirkstoffe, atypische Neuroleptika:

Amisulprid

Aripiprazol

Clozapin

Olanzapin

Quetiapin

Risperidon

Ziprasidon

Zotepin



© Elsevier GmbH 2007


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