|
Hypnotherapie
Hypnose stellt die Einleitung eines speziellen Bewusstseinszustandes dar, der sogenannten Trance. Diesen Bewusstseinszustand kennen eigentlich viele Menschen in abgemilderter Form. Wenn Sie zum Beispiel Autofahrer sind und öfters die gleiche Strecke fahren, oder wenn Sie häufig in den gleichen Laden einkaufen gehen, dann kann es manchmal vorkommen, dass Sie angekommen sind, sich aber gar nicht mehr an den Verlauf und die genauen Ereignisse auf der Wegstrecke erinnern können. Sie haben dann den Weg "unbewusst" zurückgelegt. Ihr sonst so waches Bewusstsein hat sich mit irgend etwas beschäftigt, während ihr sogenanntes Unterbewusstsein dafür gesorgt hat, dass Sie nicht "unter die Räder kommen".
Die Hypnotherapie ist aus der traditionellen Hypnose entstanden. Sie stellt die systematische Nutzung von geistigen und körperlichen Prozessen für therapeutische Veränderung dar. Dabei werden folgende generelle Ziele verfolgt:
- Veränderung körperlicher (physiologischer) Prozesse (z.B. Erweiterung von Blutgefäßen),
- Veränderung von Wahrnehmungen und Symptomen (z.B. Schmerzbekämpfung),
- Anregung einer szenischen Vorstellung (zur Bahnung von Verhalten),
- Dissoziation und Assoziation (Trennen und Verbinden),
- Regression und Progression (Rückführung in der Zeit, Bewegung in die Zukunft),
- Evokation innerer Suchprozesse (kreative Problemlösung).
Diese Ziele sind psychologischer und psychophysiologischer Art und beziehen sich u.a. auf Angststörungen, depressive Reaktionen, posttraumatische Reaktionen, Gewohnheitsprobleme, Schmerzen und eine Reihe von psychosomatischen und somatischen Störungen.
Im Einzelnen beinhalten die Ziele folgendes:
- VERÄNDERUNG PHYSIOLOGISCHE REAKTIONEN
 Muskeltonus, Kreislauffunktionen (z.B. periphere Durchblutung) und Funktionen des Autonomen Nervensystems (willensunabhängiges Nervensystem), wie auch eventuell solche des Immunsystems und des endokrinen Systems (Drüsen) können durch Suggestion oder den Trancezustand selbst bzw. durch die aktivierte Vorstellung verändert werden. Diese Prozesse sind für Entspannung, eine Unterstützung der Wundheilung, Blutungskontrolle, Verminderung stressbedingter Schwächung des Immunsystems (z.B. bei Herpes), Warzenremission und Kontrolle allergischer Reaktionen (z.B. bei Heuschnupfen) eingesetzt worden.
- VERÄNDERUNG DER SENSORIK UND DES ZEITEMPFINDENS

Schmerzen können in ihrer Dauer und Qualität verändert wahrgenommen werden und einen Teil ihres negativen Affekts (Gefühle) verlieren, wenn diese Dimensionen in Trance suggestiv beeinflusst werden.
- AKTIVIERUNG DER VORSTELLUNG
 Gedanken und Gefühle können körperliche Prozesse beeinflussen, also anregen oder dämpfen. Etwa führt die Vorstellung einer kreisförmigen Bewegung zu entsprechenden Ausschlägen eines zwischen zwei Fingern gehaltenen Fadenpendels; die Vorstellung von Wärme in der Hand wie beim autogenen Training zur Temperaturerhöhung (Erweiterung der Gefäße) in dieser Region. Ebenso erzeugt die Erinnerung an eine konflikthafte Auseinandersetzung die damit verbundenen Emotionen, meist gebunden an spezifische Sinnesqualitäten (erinnerter Klang einer Stimme, Gesichtsausdruck, visualisierte Szene, eine Körperhaltung oder Verspannung usw.). In der Therapiesituation können solche intern generierten Muster für die Bearbeitung (Bahnung, Reizüberflutung in sensu, Dissoziation von überwertigen Komponenten, Assoziation abgespaltener unterstützender Aspekte usw.) genutzt werden.
- DISSOZIATION UND ASSOZIATION

Überwertige Details, die für die Verarbeitung von traumatischen Erfahrungen hinderlich sind, können in der nachträglichen Bearbeitung abgeschwächt werden (z.B. die Lautstärke einer Stimme, die Farbe und Helligkeit einer visuellen Erinnerung). Andererseits können fehlende Erfahrungsaspekte bei der Bearbeitung von belastenden Erlebnissen in Trance assoziiert werden. Sie können aus der eigenen Erfahrung des Klienten stammen (Ressourcen) oder suggeriert werden (z.B. Worte oder Gedanken einer dritten Person).
- REGRESSION UND PROGRESSION
 Um Erfahrungen aus der Vergangenheit aufzusuchen, die entweder zur Problembewältigung beitragen können (Ressourcen) oder Traumata darstellen, deren Bearbeitung unabgeschlossen ist, wird der Klient in die frührere Situation zurückversetzt. Andererseits kann es sinnvoll sein, dass sich der Klient in eine zukünftige Situation innerlich versetzt, entweder um eine bevorstehende Stresssituation durchzugehen oder einen Zustand zu antizipieren, in dem sein Problem gelöst ist.
- EVOKATION INNERER SUCHPROZESSE
 Statt Lösungen zu suggerieren, ist es in vielen Fällen einfacher, passender und effektiver auf die Kreativität des Menschen zurückzugreifen. Das damit verbundene ungerichtete Suchen, das den gewohnten Wahrnehmungs-, Affekt- und Denkrahmen überschreitet, wird in Trance erleichtert.
Diese Ziele, die durch die hypnotisch eingeleitete Trance erleichtert werden, stellen die Basisprozesse dar, die zur therapeutischen Veränderung genutzt werden. Etwa wird ein Trauma u. U. in der Regression (Rückgang in der Zeit) reaktiviert und dann durch Assoziation (Verbindung) von Erfahrungsaspekten oder Dissoziation (Trennung) von überwertigen (stark unangenehmen) Erfahrungsaspekten einer Bewältigung näher gebracht. Oder ein akuter Schmerz wird durch Veränderung von Empfindungsqualitäten in seiner gefühlsmäßigen Bedeutung gemindert.
Da diese Veränderungen ebenso wie die Tranceerfahrung selbst individuell angepasst und der betroffenen Person vielfach erst zugänglich gemacht werden müssen, sind eine Reihe therapeutischen Strategien entwickelt worden, die dies erleichtern.
Grundsätzlich sollte ein Vorgehen in Hypnose immer mit einem vertrauenswürdigen Therapeuten, der dafür auch speziell und umfassend ausgebildet ist, umfassend besprochen werden. Wenn eine Hypnose oder die Hypnotherapie verantwortungsvoll durchgeführt wird, ist sie ungefährlich. Informationen über Therapiemöglichkeiten erhalten Sie z.B. bei den beiden großen Ausbildungsgesellschaften für Hypnose und Hypnotherapie, der
Deutschen Gesellschaft für Hypnose e.V. (DGH)
und der
Milton Erickson Gesellschaft für Hypnose e.V. (MEG).
|