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Selbsthilfebewegung

Selbsthilfegruppen und Selbsthilfeorganisationen haben sich regional unterschiedlich und in einem breitem Spektrum entwickelt uns stellen eine wichtige Ergänzung der professionellen Arbeit dar. Eine wesentliche Aufgabe von Selbsthilfegruppen liegt in der gegenseitigen Unterstützung und dem Erfahrungsaustausch. Die Leidens- und Lebenserfahrungen der Selbsthilfeteilnehmer geben Einblick in den Umgang anderer mit der Erkrankung, zeigen andere Lösungswege oder gleichgelagerte Probleme, für die vielleicht schon Bewältigungskonzepte bestehen. Gleichzeitig bieten sie die Möglichkeit der "emotionalen Anlehnung", da die Betroffenen oftmals ähnliche Leidensprozesse durchleben mussten oder müssen.

Die Teilnahme an den Selbsthilfegruppen:

  • wirkt einer möglichen sozialen Isolation entgegen,
  • hilft bei der Bewältigung sozialer und persönlicher Belastungen,
  • findet aufgrund der Selbstbetroffenheit jedes einzelnen Gruppenmitgliedes in einer aktiven Gruppe in einer Atmophäre statt, die von gegenseitigem Verständnis ist geprägt ist.

Selbsthilfegruppen existieren für die verschiedensten Krankheiten (z.B. Medikamentenabhängigkeit, Drogenabhängigkeit, Alkoholabhängigkeit, Depression, Neurosen, Ängste, Psychosen), bieten aber auch ihre Hilfe in ganz speziellen Krisen, z.B. für Langzeitarbeitslose, für Lebenskrisen, für Trauernde, bei unvollendeter Schwangerschaft usw.

Allerdings ist es nicht immer leicht eine Selbsthilfegruppe zu organisieren und auch längerfristig aktiv zu halten. Dies hängt oftmals auch von den Störungsbildern oder Problemfeldern ab, für die sich eine Selbsthilfegruppe zusammengefunden hat. Je nach Schweregrad der Beeinträchtigung, den eine bestimmte Erkrankung mit sich bringt, ist es mit viel mehr Aufwand verbunden, den Selbsthilfegedanken immer wieder mit Leben zu füllen. Dies ist sicher verständlich, wenn man sich vor Augen führt, dass viele Symptome von psychischen Erkrankungen gerade auch das Kontaktverhalten der Betroffenen negativ beeinflussen. So gehen z.B. Depression oder bestimmt Angststörungen mit einem massiven Rückzug von menschlichen Kontakten einher. Berichte zeigen z.B. auch, dass für die Gruppe der psychotisch Kranken ein _reines_ Selbsthilfegruppenkonzept_ nicht angemessen zu sein scheint. Völlig autonome Selbsthilfegruppen scheinen in bestimmten Feldern schwer realisierbar, in anderen wieder leichter (z.B. anonyme Alkoholiker).

Sobald jedoch ein gewisses Maß an Schutz und Unterstützung gewährt wird, z.B. in Verbindung mit Tagesstätten und Kontaktstellen, sind erfolgreiche Selbsthilfeinitiativen sehr gut möglich. Die Selbsthilfebewegung wird auch oft von den regionalen Krankenkassen finanziell in kleinem Umfang gefördert.

Zu den ältesten Selbsthilfegruppen zählen wohl die im Suchtbereich und können hier zusätzlich einen entscheidenen Beitrag bei der Behandlung leisten.

Außer als Anlaufstellen für Betroffene und ihre Angehörigen dienen die Selbshilfegruppen auch der Vorbereitung und Motivation zur Rehabilitation und zur Sicherung des Rehabilitationserfolgs. Auch in der Nachsorgephase der Behandlung von Suchtkranken sind sie sehr bedeutsam und können dort Rückfällen vorbeugen bzw. den Betroffenen bei der Bewältigung von Rückfällen entlasten und begleiten.. Für Suchtkranke ist es wichtig, nach einer Behandlung regelmäßig eine Selbsthilfe- bzw. Abstinenzgruppe aufzusuchen, um dem Ansturm der einsetzenden Belastungen in der Außenwelt besser gewachsen zu sein.

Unterstützende Einrichtungen

Regional existieren häufig Angebote zur Tagesstrukturierung und Kontaktstiftung für von einer psychischen Erkrankung Betroffene. Diese sind Teile eines in der Gemeinde integrierten psychiatrischen bzw. psychosozialen Subsystems. Ihr Hauptanliegen liegt in der Förderung von Freundschaften sowie Beziehungen zu anderen Menschen, da diese für die Erhaltung des Selbstwertgefühls und des Gefühls, von anderen gebraucht zu werden, wichtig sind. Es lassen sich zwei Formen unterscheiden:

Einrichtungen mit Kontaktstellenfunktion:

Zu den offenen Kontakt- und Freizeitangeboten gehören z.B. die Patientenclubs. Diese Einrichtungen wollen den Betroffenen, ihren Angehörigen und Freunden zusammen mit anderen Bürgern die Möglichkeit zu Kontakten und zu gemeinsamen Veranstaltungen überwiegend geselligen Charakters bieten. Das Angebot dieser Treffpunkte umfasst die Möglichkeit zu gemeinsamen Gesprächen und Unternehmungen, zu Kontakten, zum persönlichen Informations- und Erfahrungsaustausch. Zwanglose Gespräche, mannigfache gesellige Aktivitäten, (z.B. Spielen, Musik machen oder hören, Kochen, Feste feiern) schaffen eine Atmosphäre familienähnlicher Intimität und können dem einzelnen ein wenig Zuhause und Gruppenrückhalt vermitteln. Die Club-Mitglieder haben die Möglichkeit, aus Kontaktverlust und Isolation erwachsende Probleme ihres realen Alltags gemeinsam zu meistern.

Tagesstätten:

Tagesstätten wurden für Personen geschaffen, die ein regelmäßiges Angebot zur Tagesgestaltung und Beschäftigung benötigen. Sie sind Einrichtungen für nicht arbeitsfähige seelisch und geistig Behinderte, deren Angehörige tagsüber nicht zur Verfügung stehen oder entlastet werden müssen. Sie unterscheiden sich von den sogenannten Tageskliniken durch ihren überwiegend versorgenden, weniger direkt therapieorientierten Charakter. Angebote von Beschäftigung, Begegnung, Spiel und Erholung entsprechend den Bedürfnissen und Fähigkeiten der Patienten. Tagesstätten bieten u.a. begleitende Hilfen, Unterstützung in der Bewältigung lebenspraktischer Probleme, Förderung sozialer Verhaltensweisen, Kontaktförderung zwischen den Besuchern, Anregungen zu sinnvoller Freizeitgestaltung, Anleitung zu gemeinschaftlichen Projekten usw.

Patientenorganisationen

Es existieren verschiedene Organisationsformen mit unterschiedlichen Zielrichtungen.


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