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Allgemeines zur Psychotherapie
Psychotherapeutische Behandlungsansätze gibt es schon so lange wie es die Behandlungen von Krankheiten und seelischen Störungen gibt - nur ist der Name "Psychotherapie" erst sehr viel später dafür verwendet wurden. Behandlungsmethoden die wir heute der Psychotherapie zuordnen würden finden sich bereits in den Heilungs- und Beschwörungsritualen von Urvölkern, Schamanen und Priester verwendeten sie, ihre Bestandteile lassen sich in Märchen und Sagen, den Schriften des Altertums und in der Bibel finden. Die wissenschaftlich fundierte Psychotherapie beginnt jedoch erst mit der wissenschaftlichen Erforschung und Verwendung der Hypnose ab dem 18. Jahrhundert, zur Institutionalisierung und zur Ausbildung verschiedener Schulen kam es dann im 20. Jahrhundert.
Als wesentlicher Kernpunkt von Psychotherapie wird die Behandlung von psychisch bedingten Störungen mit Hilfe der zwischenmenschlichen Kommunikation gesehen. Es gibt eine ganze Reihe von Maßstäben die angelegt werden, damit man von Psychotherapie sprechen kann. So ist Psychotherapie geplant und zielorientiert, es gibt zugrundeliegende theoretische Annahmen, die Effekte sind prüfbar. Psychotherapie ist im engeren Sinne in ihrer Anwendung auf behandlungsbedürftige, krankheitswertige Störungen beschränkt, d. h. der Leidensdruck und die Beeinträchtigungen in der Lebensführung müssen so groß sein, daß die Behandlung gerechtfertigt ist.
Psychotherapie erfolgt ausschließlich durch professionelle Helfer. Gerade dieser Punkt wurde durch das 1999 in Kraft getretene Psychotherapeutengesetz unterstützt. Wer heute den gesetzlich geschützten Titel "Psychotherapeut" führt, ist Diplompsychologe oder Arzt und hat nach dem Universitätsstudium eine umfangreiche mehrjährige Zusatzausbildung absolviert, welche einer Facharztausbildung gleichgestellt ist. Außer Ärzten und Psychologen gibt es noch die Ausnahmeregelung, daß Pädagogen nach einer entsprechenden Ausbildung als Psychotherapeuten arbeiten können. Der Begriff "Psychotherapie" ist jedoch nicht geschützt, d.h. psychotherapeutische Leistungen können von jedem angeboten werden, der eine Heilpraktikerzulassung hat, er benötigt dazu nicht einmal die notwendige Zusatzausbildung, die Kosten werden jedoch auch nicht durch die Krankenkasse übernommen. Bei der Suche nach einem seriösen Behandler sollte dies berücksichtigt werden. Informationen wo entsprechend qualifizierte Psychotherapeuten in Wohnortnähe zu finden sind, erhält man am ausführlichsten über die Krankenkassen.
Es gibt eine große Anzahl von psychotherapeutischen Schulen mit jeweiligen theoretischen Konzepten. Durch die Krankenkassen sind zum jetzigen Zeitpunkt jedoch nur drei Psychotherapierichtungen als Behandlungsmethoden anerkannt und zugelassen (Psychoanalyse, tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, Verhaltenstherapie). Die einzelnen Schulen weisen in ihren Herangehensweisen bei der Behandlung große Unterschiede auf, es gibt jedoch wesentliche Gemeinsamkeiten. So werden in der Therapie für den Patienten bedeutsame Konflikte und Probleme aktualisiert, es ergeben sich Erklärungen für die Ursachen dieser Probleme. Es wird nach neuen Bewältigungsmöglichkeiten für diese Probleme gesucht, die Bewältigung stützt sich dabei vor allem auf die Aktivierung der Ressourcen des Patienten. Psychotherapie bietet dabei die Möglichkeit korrektiver Lernerfahrungen, Hoffnung auf Besserung wird geweckt, Patienten haben Erfolgserlebnisse, zwischenmenschliche Entfremdung wird aufgehoben, emotionale Anspannung kann sich lösen.
Die praktische Durchführung von Psychotherapie ist vielfältig, sie kann ambulant, teil- oder vollstationär durchgeführt werden, sie kann einzeln oder in Gruppen erfolgen. Auch die Dauer der Psychotherapie ist sehr variabel. So können einige Einzeltherapiesitzungen ausreichend sein um eine eng umgrenzte Störung zu lindern (z.B. eine Phobie), es gibt mehrwöchige stationäre Behandlungen in entsprechend spezialisierten Kliniken (z.B. bei Suchterkrankungen), Psychotherapie kann sich aber auch über mehrere Monate bis Jahre erstrecken (z.B. bei Eßstörungen). Die Empfehlung einen Psychotherapeuten aufzusuchen, kann u.a. von behandelnden Hausärzten oder Fachärzten ausgesprochen werden. Die Empfehlung ergibt sich zumeist dann, wenn sich ein Beschwerdebild durch herkömmliche medizinische/pharmakologische Behandlung nicht ausreichend lindern läßt und man eine wesentliche Mitverursachung durch die Psyche vermutet.
Eine große Hürde einen Psychotherapeuten aufzusuchen, besteht oft in der Scheu, sich als psychisch krank oder problembeladen zu offenbaren. Psychische Erkrankungen werden oft als persönlicher Makel und als "minderwertige Krankheiten" empfunden, in der Öffentlichkeit besteht zudem ein großes Wissensdefizit zu diesen Erkrankungen. Wenig hilfreich erscheint in diesem Zusammenhang, daß Psychotherapie bisweilen als Universalmittel für kleinste Befindlichkeitsstörungen mißverstanden wird (Hierhinein gehört das oft in Filmen bediente Klischee, so ziemlich jeder US-Amerikaner habe "seinen Psychotherapeuten" und mit dem diskutiere er dann mit großem Unterhaltungswert die absurdesten Nebensächlichkeiten.). Durch diese mangelnde Abtrennung einer Konsumierungshaltung von echtem psychischen Leiden geschieht eine Bagatellisierung und Abwertung psychischer Erkrankungen und der davon Betroffenen. Die Inanspruchnahme psychotherapeutischer Leistungen wird dann als nicht gar so dringend und eigentlich überflüssig gesehen.
Die hohe Wirksamkeit von psychotherapeutischer Behandlung ist für eine Vielzahl von psychischen Erkrankungen nachgewiesen. Psychotherapie ist als eigenständige Behandlung wirksam, sie kann jedoch auch gut mit medikamentöser Therapie kombiniert werden (z.B. bei Depressionen, Zwänge). Genauso weiß man mittlerweile, daß vorrangig medikamentös orientierte medizinische Therapien effektiv durch Psychotherapie unterstützt und begleitet werden können (z.B. bei Psychosen).
© Dipl.-Psych. Jens-Uwe Schmidt, Leipzig, 2002
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