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So vielfältig wie die Erscheinungsformen und die Ursachenfaktoren schizophrener Erkrankungen sind, so vielfältig sind auch die Verläufe und Prognosen.
Vor Beginn der charakteristischen Symptomatik kann eine Wochen bis Monate dauernde Vorphase (Prodromalstadium) auftreten. Diese Vorphase kann durch eine depressive Stimmung geprägt sein, eine Minderung der Leistungsfähigkeit einhergehend mit Unruhe und Gespanntheit ist u.U. beobachtbar.
Es besteht auch die Möglichkeit, dass die Vorphase der Erkrankung bereits etwa 5 Jahre vor der eigentlichen Symptomatik beginnt. Die Interpretation dieser unspezifischen Prodromalsymptome ist jedoch oft erst im Nachhinein möglich, vor der Erkrankung werden sie oft als Persönlichkeitseigenheiten oder als alterstypisch (Pubertät) angesehen. Von den ersten produktiven Symptomen bis zum Vollbild der Erkrankung kann noch einmal ein ca. einjähriger Zeitraum liegen, in welchem sich die Symptome ausbilden.
Als weitere Variante des Erkrankungsbeginns gibt es den akuten Erkrankungsbeginn innerhalb weniger Tage bis Wochen.
Die ersten Veränderungen, die einer akuten Erkrankungsphase vorausgehen, können sich bei jedem Betroffenen anders äußern. In einigen Fällen sind die Anzeichen stark ausgeprägt, in anderern beginnen sie eher schleichend. Man nennt diese ersten Veränderungen "Frühwarnzeichen". Häufig sind es Schlafstörungen, innere Unruhe, Rückzug, Grübelein usw., aber auch andere Frühsymptome sind möglich. Natürlich ist nicht jede Schlafstörung oder innere Unruhe der zwangsläufige Beginn einer Wiedererkrankungsphase. Fehlt allerdings ein äußerer Anlaß und dauern diese Veränderungen über meherere Tage an, sollte man vorsorglich seinen Arzt konsultieren.
Bei der Mehrzahl der schizophrenen Erkrankungen ist die Akutphase durch eine ausgeprägte produktive Symptomatik gekennzeichnet (Wahn, Halluzinationen, Denk- und Sprachstörungen, Ich-Störungen). In der akuten Erkrankungsphase kommt es zumeist zum erstmaligen Kontakt mit dem Facharzt für psychische Erkrankungen, dem Psychiater. Die akute Erkrankungsphase dauert in der Regel ein bis drei Monate. Nach einer akuten Psychose kann es für einige Zeit zu depressiver Verstimmung und Erschöpfungszuständen kommen (postpsychotische Depression). Diese Zeitspanne ist für die Betroffenen mitunter wenigstens genau so schwer wie die akute Erkrankungsphase.
Einige - eher seltene - Erkrankungstypen verlaufen mehr allmählich, ohne eine vordergründige produktive Symptomatik (Hebephrener Verlauf, Schizophrenia Simplex).
Der Ausgang der Erkrankung zeigt die Tendenz zur sogenannten "Drittelregel". Demnach heilt die Erkrankung bei ca. 1/3 der Betroffenen folgenlos ab, bei 1/3 verläuft die Erkrankung phasenweise und führt zu leichten Beeinträchtigungen, ein weiteres Drittel ist erkrankungsbedingt auf Dauer beeinträchtigt und hat vorwiegend Minussymptome (Residualzustand). Als prognostisch günstig für den Erkrankungsverlauf wird ein relativ stürmischer Beginn der akuten Phase bei gleichzeitig starken situativen Auslösern gesehen.
Phasenhafte Erkrankung bedeutet, dass zwischen gesunden Zeiträumen (zumeist mehrere Jahre), erneut Erkrankungsphasen auftreten können. Zu dem Drittel der auf Dauer durch die Erkrankung Betroffenen ist anzumerken, dass es nach Jahren scheinbar ungünstiger Erkrankungsverläufe noch zur Abschwächung und Milderung der Symptome kommen kann.
Sowohl in der akuten Erkrankungsphase als auch in der postpsychotischen Depression und bei Residualzuständen kann es zu Krisen mit Selbstmordgedanken kommen. Diese Krisen zu erkennen und mit dem Betroffenen durchzustehen, ist ein Bestandteil der Behandlung.
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