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Meine Geschichte

Leben mit Schizophrenie


Nach der Trennung von meinem Freund Uli geriet ich im Jahr 2000 zum ersten Mal in den psychotischen Zustand, den ich allerdings komplett ohne Medikamente und Psychiatrie mit meinem neuen Freund Maximilian meisterte.

Damals wurde ich nur sehr religiös und sah in Werbetafeln zum Beispiel Botschaften des Satans. Den Zustand würde ich aus heutiger Sicht als einen Überreizungszustand charakterisieren. Es waren Semesterferien und ich hatte zum Glück genügend Zeit zur Stabilisierung, vor allem durch die viele Aufmerks amkeit meines neuen Freundes. In der ambulanten Therapie lernte ich, dass es eine Leistung meiner Selbstheilungskräfte war, mich von dem psychotischen Zustand von alleine mit Hilfe eines stützenden Netzwerkes zu erholen. In der Zeit schrieb ich sehr "wilde" Briefe, die mein Freund 2003 beim erneuten Auftreten des psychotischen Zustandes meinen Ärzten in München-Haar zeigte, die daher den psychotischen Schub 2000 als Erstmanifestation der Schizophrenie kennzeichneten. Ich lebte aber schon viel länger mit der Schizophrenie, wie mir später erst bewusst wurde.

Supergau mit Weltuntergangsstimmungen und Engeln der Apokalypse

1992 hatte ich die familiäre Situation als so bedrückend empfunden, dass ich mich selber umbringen wollte, da tauchten die Stimmen das erste Mal auf und "retteten" quasi mein Leben, indem sie mir gut zuredeten. In den darauf folgenden Jahren hörte ich die Stimmen immer als Geschimpfe meiner Eltern im Haus, die ich aber Jahre später in dem gleichen Raum unter Medikamenten nicht mehr wahrnahm. Schon gegen 1999 habe ich den Mann, den ich 2003 bei meiner dritten offiziellen Psychose mit der Kettensäge ins Nachbarhaus rennen sah, einmal am Münchner Hauptbahnhof gesehen, wie er mir auflauerte und mich verfolgte. Mir war nicht klar, dass es nicht normal ist, Dinge zu sehen und zu hören, die nicht da sind, da sie ja in meiner Wahrnehmung real da waren.

Im April 2003 erlitt ich dann den Supergau mit Weltuntergangsstimmungen und Engeln der Apokalypse. Die Krankheitseinsicht folgte erst später, nämlich nach circa vier Wochen stationärer Behandlung, während der ich durch Medikamente die Chance bekam, mich von meiner gestörten Wahrnehmung zu distanzieren. Da ich aufgehört hatte zu essen und zu trinken, landete ich halb verhungert, halb dehydriert in München auf der Intensivstation. Ich konnte mich lange Zeit nicht damit abfinden, in der Psychiatrie zu sein und dort auch länger bleiben zu müssen. Meine Krankheitseinsicht war gerade zu Beginn nicht besonders hoch. Später war ich selber von der Diagnose sehr geschockt und habe sie auch vielen Menschen zu offen kundgetan. Das Gespür dafür, wo gehört etwas hin und wo nicht, war lange Zeit defekt. Wirklich Hilfe bekommen habe ich erst im April 2003. Im stationären Rahmen wurden vor allem erst einmal Medikamente verschrieben. Ich habe fast alle Atypika durchprobieren müssen. Im teilstationären Rahmen wurde vor allem durch Verhaltenstherapie das Vorgehen in Krisenzeiten eingeübt (Notfallkoffer). Vieles habe ich mir aber auch autodidaktisch aus Büchern wie "Bevor die Stimmen wiederkehren" angeeignet, so dass ich heute über einen ausführlichen Katalog an Frühwarnsymptomen verfüge. Dieser Katalog funktioniert wie ein Ampelsyst em, wo ich bei grün weiß: jetzt brauche ich mehr Ruhe; gelb: jetzt brauche ich meine Notfallmedikamente; und rot: jetzt brauche ich ärztliche Rücksprache. Der Einstellungsprozess der Medikation ist jedoch ein hochsensibles Unterfangen, weil die Medikamente ja das Dopamin blocken, was für das Erleben von Glück und Freude im Alltag ein wichtiger Botenstoff ist. Ist das Medikament zu hoch dosiert, ist das Erleben des Ichs wie in einer Art gläsernem Sarg eingesperrt zu sein. Ich fühle mich dann wie schon gestorben - zu neutral, um am Leben teilzunehmen. Leben mit Schizophrenie ist ein Balanceakt: Man muss versuchen, zwischen der gesunden Kreativität, dem Ideenreichtum und dem, was "komisch" wird, zu unterscheiden. Die Klinikfreiheit ist eine wichtige Basis, um in wohltuenden Beziehungen leben zu können. Jeder neue Klinikaufenthalt ist fast wie ein sozialer Todesfall, da er Freunde und Bekannte schockiert. Wie stabil Beziehungen sind, hängt aber auch von der eigenen Beziehungsfähigkeit ab.

"Medikamente sollen mir die größtmögliche Lebensqualität erhalten"

Angehörige und Betroffene sollten darauf achten, frühzeitig den richtigen Arzt zu finden. Ist die Diagnose klar gestellt, sollte jeder Betroffene, falls erforderlich, das für ihn beste Medikament bekommen. Jeder muss prüfen, was für ihn das richtige Medikament in der richtigen Dosis ist. Gleichermaßen habe ich auch die Erfahrung gemacht, mit Schizophrenie über viele Jahre psychosenah zu leben, und war dabei beruflich sehr erfolgreich! Die eigenen Selbstheilungskräfte sollten auch nicht immer übermedikamentiert werden. Bei der Einstellung der Medikation (falls erforderlich) sollte darauf geachtet werden, dass ich als Patientin die größtmögliche Lebensqualität erhalte. Das Leben mit Schizophrenie ist anstrengend, kann aber auch Bereiche erfahrbar machen, die nicht alle im Bereich des Krankhaften liegen und es für meinen neuen Partner zum Beispiel auch spannend machen, dass es nie langweilig mit mir wird, und es immer wieder überraschende Momente gibt. (Katharina S.)

(c) MedCon Health Content AG


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