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Wieder unabhängig werden
Im Haus Alexander in Bad Neuenahr leben Menschen mit den unterschiedlichsten psychischen Erkrankungen. Doch sie alle verbindet ein großes Ziel: Sie möchten wieder eigenständig leben können; dafür trainieren sie jeden Tag.
Zu den schwierigsten Phasen im Leben eines von psychischer Krankheit betroffenen Menschen gehört die Zeit nach einem Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik,erklärt Ralph Orth, der die Wohn- und Wiedereingliederungseinrichtung leitet. Wenn der Alltag wieder hereinbricht, fühlen sich viele Patienten, denen es nach der intensiven Betreuung und Therapie im Krankenhaus eigentlich gut ging, schnell überfordert. Oft landen die Patienten dann wenige Wochen später schon wieder in der Psychiatrie. Mediziner nennen dies den Drehtür-Effekt.
Hier setzt die Arbeit in Haus Alexander an. Eine spezielle, ganz individuell abgestufte Arbeitstherapie hilft den Bewohnern, langsam wieder ins normale Leben zurückzukehren. Ralph Orth ist stolz auf sein Therapieprogramm: "Die Hälfte unserer Bewohner kann sich nach dem Aufenthalt bei uns wieder im freien Leben integrieren." Denn in Haus Alexander wird nicht nur die Arbeit trainiert, sondern auch das normale Leben. Es sei kein Zufall, dass das Haus mitten im Kurpark liege, sagt Orth. Hier sind die Bewohner mitten im Leben und immer unter Menschen. Abgeschoben fühlt sich hier niemand, täglich werden all die wichtigen Kleinigkeiten, wie Bus fahren und Einkaufen gehen, geübt. Der Leiter der Einrichtung erzählt von dem an Epilepsie erkrankten Christoph H.*: Dessen vorrangiges Ziel war es, ein Leben in einer eigenen Wohnung zu führen. Ein ehrgeiziges Ziel für den Epilepsiekranken, erklärt Orth, denn die übliche Wohnform außerhalb einer geschützten Einrichtung für psychisch kranke Menschen sei eine Art Wohngemeinschaft. Um sein Ziel zu erreichen, brauchte Christoph H. erst einmal eine klar gegliederte Tagesstruktur. Hierbei sollte eine geregelte Arbeit helfen.
Bei einem Praktikum in einer Werkst att für Behinderte stellte sich jedoch heraus, dass Christoph die vorgegebene Arbeitszeit von sieben Stunden täglich nicht erfüllen konnte. Dieses Problem war jedoch schnell gelöst: Eine eigene Jobbörse in Haus Alexander eröffnet die Möglichkeit, nach einem individuell ausgearbeiteten Stundenvolumen-Modell zu arbeiten. Hier werden Tätigkeiten in der Hausversorgung, in der Gebäudetechnik oder auch Lohnarbeiten für in der Region ansässige Firmen angeboten. Zusätzlich zu der an die Arbeitszeit angelehnten Prämienzahlung kamen Sonderprämien für Pünktlichkeit, Stabilität und Sorgfalt hinzu. Dies motivierte Christoph, der wegen seiner Krankheitsgeschichte an die Arbeit nie richtig herangeführt wurde, so sehr, dass er sich bald zu einem Leistungsträger der Arbeitstherapie entwickelte. Heute wohnt Christoph H. in einer eigenen Wohnung und arbeitet ganztägig in einer Werkst att für Behinderte. Er kümmert sich um sämtliche Arbeiten im Zusammenhang mit seiner Wohnung selbst. Wenn es mal irgendwo "hakt", ist sein Betreuer aus dem Haus als Berater und Helfer zur Stelle.
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